Ökonomie des Hasses

Im „Bericht zur Weltungleichheit 2018“ gibt es eine Zahl, die den Dauerkonflikt der arabischen Staaten mit Israel in klares Licht stellt. Ein internationales Forscherteam – koordiniert von dem französischen Ökonomen Thomas Piketty („Das Kapital im 21. Jahrhundert“) – untersuchte, wie gleich (beziehungsweise ungleich) sich das Einkommen in verschiedenen Weltgegenden innerhalb der Länder verteilt. Die größte Ungleichheit fanden sie laut dem am 14. Dezember 2017 veröffentlichten Report nicht in den USA oder Asien – sondern im Nahen Osten. Es mangelt generell nicht an Geld im Gazastreifen und der Westbank, im Gegenteil. In kaum eine andere Weltgegend fließen so viele Hilfsmittel wie in den 365 Quadratkilometer großen Gazastreifen mit 1,8 Mio. Einwohnern. Zwischen 2008 und 2012 zahlte die EU nach Angaben des Europäischen Rechnungshofes etwa EUR 1 Mrd. für gut 70.000 Angestellte der von der Fatah beherrschten Autonomiebehörde, die seit der Machtübernahme der Hamas in Gaza im Jahr 2007 in Wirklichkeit ohne Beschäftigung sind. Sie gehören zu den Privilegierten, ebenso wie hohe Hamas-Funktionäre. Die Terrororganisation betreibt die profitablen Schmuggeltunnel unter der abgeriegelten Grenze nach Ägypten. Sie erheben eine Importsteuer in Höhe von 25 % des Warenwertes auf alle Güter. Neben der EU überweisen auch die USA jährlich dreistellige Millionensummen an die Autonomiebehörde in der Westbank. Große Teile des quasi-staatlichen Apparates werden aus Europa und den USA finanziert. Trotz der offiziell behaupteten Armut ist die Behörde unter Präsident Mahmut Abbas in der Lage, den Familien von Terroristen, die in israelischer Haft sitzen, ein Gehalt zu zahlen. Das liegt nach Angaben des Middle East Media Research Institute (MEMRI) monatlich bei USD 364 bei Haftstrafen unter drei Jahren, bei Verurteilungen ab 30 Jahren beträgt die Unterstützung USD 3.120. Zum Vergleich: der Mindestlohn in der Westbank liegt nach Angaben des palästinensischen Statistikbüros bei USD 298 monatlich, in Gaza bei USD 209. Wer also zur politischen Führungsschicht zählt, kann selbst in Gebieten ohne funktionierende Wirtschaft sehr komfortabel leben. Reich wird nicht, wer etwas gründet und produziert, sondern wer im Machtgefüge an der richtigen Stelle sitzt. Märtyrerfamilien können sich zumindest einen relativen Wohlstand leisten. Für den Rest bleibt tiefe Armut. Laut CIA-Handbuch werden etwa 95% der im Gazastreifen produzierten Güter auch dort von den privaten Haushalten verbraucht. Das heißt: das Gebiet exportiert praktisch nichts. Als Haupteinnahmequelle dienen die Überweisungen aus dem Westen. (achgut) KR

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