Berlin: Ausstellung “Welcome to Jerusalem” mit deutlicher Agenda

Im Jüdischen Museum Berlin kann man in einer Animation nachvollziehen, wie immer neue Machtverhältnisse sich in das Stadtbild einschreiben. “Welcome to Jerusalem” wird umso reichhaltiger, je näher man der jüngeren Vergangenheit kommt. Ein erster Höhepunkt auf dem Rundgang betrifft das alte Israel: ein Modell des Tempels in Jerusalem (des herodianischen, den auch Jesus aufsuchte) kann man durch Guckkästen hindurch betrachten, die eine aufschlussreiche Animation enthalten. Man kann sich gleichsam unter das Volk mischen, das damals Opfertiere kaufte, oder sich einfach auf dem großen Vorplatz aufhielt, der auch Nichtjuden offenstand. Dass am Ende dieser Ausstellung die Videoarbeit “Inferno” der israelischen Künstlerin Yael Bartana steht, ist dann noch einmal eine angemessen kontroverse Geste: Hier wird in Brasilien der jüdische Tempel noch einmal errichtet, eine endzeitliche Geste, die nicht zuletzt fundamentalistische Christen in ihre Logik übernommen haben. (“Welcome to Jerusalem”, Jüdisches Museum Berlin, Lindenstraße 9-14, täglich 10-20 Uhr. Bis 30. April). Die Ausstellung, mit Cilly Kugelmann als Kuratorin, hat allerdings eine deutliche politische Schlagseite. Der Journalist Eldad Beck weist auf die Problematik hin: “Ein historisches Dokument zum Konflikt, einer der Höhepunkte der Ausstellung, stellt Juden als tyrannische Invasoren dar. Es notiert die von paramilitärischen jüdischen Organisationen begangenen Massaker und Terrorakte, während dieselben Taten komplett ignoriert werden, wurden sie von arabischen Organisationen auf Befehl des Jerusalemer Muftis Haddsch Amin al-Husseini begangen; ignoriert komplett die arabische Revolte der 1930-er Jahre und Husseinis Kollaboration mit den Nazis; präsentiert einen ziemlich langen Ausschnitt eines Interviews mit Palästinenserführer Yassir Arafat aus der Frühzeit seiner Führungszeit, in dem der damalige PLO-Chef erklärt, dass die Palästinenser keine andere Wahl haben, als zu den Waffen zu greifen; und wiederholt die Theorie, nach der die Ermordung von Premierminister Yitzhak Rabin im Jahr 1995 das ist, was zur Desintegration des Friedensprozesses führte, sowie die erwiesene Lüge, dass der damalige Oppositionsführer Ariel Sharon mit seinem Besuch auf dem Tempelberg im Jahr 2000 die Zweite Intifada auslöste. Kurz gesagt: Nach Angaben des Jüdischen Museums in Berlin sind die Juden die Bösen, die Araber die Opfer.” (Haolam, heplev, standard, IsraelHayom) KR

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