Noah Klieger mit 92 Jahren verstorben

Noah Klieger ist in Tel Aviv im Alter von 92 Jahren gestorben. Der Auschwitzüberlebende war ein bekannter Journalist und Sportfunktionär. 1947 hatte er die Rettung von Juden aus Europa unter anderem mit dem Schiff “Exodus” in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina organisiert. Während der deutschen Besatzung Belgiens schloss Klieger sich 1941 einer jüdischen Untergrundorganisation an, die in Kooperation mit der französischen Résistance rund 300 jüdische Kinder und Jugendliche heimlich in die Schweiz bringen konnte. 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet und zunächst im SS-Sammellager Mechelen gefangen gehalten. Von dort wurde er über verschiedene Konzentrationslager 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz verbracht. Beim Herannahen der Roten Armee wurde er auf einen der Todesmärsche über das KZ Mittelbau-Dora ins Konzentrationslager Ravensbrück geschickt, wo ihn Rotarmisten befreiten. 1947 sollte er als Beauftragter des Mossad le Alija Bet die aus britischer Sicht illegale Auswanderung von rund 4.500 jüdischen Überlebenden aus südfranzösischen Deportations-Lagern nach Palästina organisieren. Die Exodus wurde dank eines Romans von Leon Uris und dessen Verfilmung zu einem Symbol der jüdischen Flüchtlinge nach Palästina und deren Rückschickung nach Deutschland durch die Briten. Klieger konnte durch die Machal trotzdem ins gerade gegründete Israel gelangen und nahm am Unabhängigkeitskrieg teil. Nach dem Krieg wandte sich Klieger wie sein Vater dem Journalismus zu und fing an, für Jediot Achronot zu schreiben. Regelmäßig berichtete er von den Basketball-Europameisterschaften seit 1951, nur bei denen in Ungarn (1955) und Bulgarien (1957) ließen ihn die dortigen kommunistischen Machthaber nicht einreisen. Auch die Olympischen Spiele in München (1972) begleitete er journalistisch. Nach der Geiselnahme von München hörte er jedoch damit auf. Lange Jahre war er Vorsitzender der Basketball-Sektion der Association Internationale de la Presse Sportive (APIS) und Präsident der Basketball-Abteilung von Maccabi Tel Aviv sowie Vorsitzender des Media Council der Fédération Internationale de Basketball (FIBA). Er war Vorsitzender des israelischen APIS-Verbandes. Auch wenn ein Schwerpunkt seines journalistischen Wirkens im Sport lag, schrieb er doch stets über politische Themen: So berichtete er über den Eichmann-Prozess, die Auschwitzprozesse, den Sobibor-Prozess, die Majdanek-Prozesse, den Prozess gegen Klaus Barbie und später auch aus München über das Strafverfahren gegen John Demjanjuk. Er war das älteste Redaktionsmitglied der israelischen Presse und galt als Doyen des israelischen Sportjournalismus. Als Zeitzeuge der Schoah und der Gründung Israels hat er mehrere Bücher geschrieben und vermittelte in Vorträgen diese Erinnerung insbesondere an junge Menschen, auch in Deutschland und der Schweiz. Klieger sprach acht Sprachen. Er hinterlässt eine Tochter und drei Enkelkinder. (fokusjerusalem, spiegel) TS

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