Siegel vom Propheten Jesaja gefunden

Keine zweite Ausgrabungsstätte im Heiligen Land bietet seit Jahren so viele aufsehenerregende und für die biblische Zeit bedeutsame Funde wie die „David-Stadt“. Eilat Mazars neuester Fund ist ein winziges Tonsiegel mit den Überresten einer althebräischen Inschrift. Der Name Jesaja war leicht zu entziffern. Aber bei dem zweiten Wort, auf Hebräisch „Navie“, fehlte der letzte Buchstabe. Statt „Prophet“ stand da sozusagen nur „Proph“. Während Mazar mit gebührender Vorsicht vorschlägt, dass es sich um eine erstmalige außerbiblische Erwähnung des berühmten Propheten Jesaja handeln könne, melden die üblichen Gegner Mazars schon Widerspruch an. Forscher gehen davon aus, dass Jesaja, der berühmteste aller biblischen Propheten, im 8. oder 9. vorchristlichen Jahrhundert aktiv war. Der archäologische Kontext des Fundes passt genau: Eine Schicht aus der Eisenzeit, nahe dem Urgestein in einer Grube, die fast 1.000 Jahre später, in der Zeit des Königs Herodes, ausgehoben worden war. In der Nähe wurde eine von den Forschern so genannte „königliche Bäckerei“ gefunden. Und nur 3 Meter entfernt entdeckte das Grabungsteam von Mazar 2015 einen Siegelabdruck mit der Inschrift „König Hiskias von Judäa“. Dieser 12. König von Judäa regierte zwischen den Jahren 727 und 698 v.Chr. In der Bibel wird an mehreren Stellen ein Kontakt zwischen dem Propheten und dem König erwähnt. Jesaja sei eine Art „spiritueller Berater“ von Hiskias gewesen. Wenn also Hiskias über ein Dutzend Mal in der Bibel „in einem Atemzug“ zusammen mit Jesaja erwähnt wird, dann verwundert auch nicht die physische Nähe der Fundorte von Namenssiegeln beider biblischer Figuren. Die persönliche Nähe des Königs Hiskias, seiner engsten Berater und des anderen großen biblischen Propheten Jeremias, konnte Mazar schon 2013 nachweisen – bei der Ausgrabung des „Hauses der Medaillen“, direkt unterhalb des umstrittenen „Davids-Palastes“. Da wurden die Siegel von mehreren Beratern des Königs entdeckt, genauso wie sie bei Jeremias verzeichnet sind. Die Funde wurden in einer Ascheschicht gemacht, wobei das Datum des zerstörerischen Großbrandes auf den Tag genau festliegt und bis heute im Judentum Anlass für einen Gedenk- und Fastentag ist: der 9. des Monats Av im Jahr 586 v.Chr. An dem Tag zerstörte der babylonische König Nebukadnazer Jerusalem und den salomonischen Tempel. Danach wurden das Volk Israel und andere Völker, wie die Philister, in das „babylonische Exil“ getrieben. Von den Philistern hat man seitdem nie wieder gehört. Nur in extrem seltenen Fällen konnten archäologische Ausgrabungen so präzise in der Bibel beschriebene historische Ereignisse bestätigen und viele der daran beteiligten, namentlich bekannten Personen. (ToI) TS

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