Christentum und Antisemitismus

Christentum und Antisemitismus

Wann

25.08.2021    
06:00 pm - 07:00 pm

Veranstaltungstyp

Passionsspiele, die ohne christlichen Antijudaismus auskommen, die Plakat- und Social Media-Kampagne #beziehungsweise der Evangelischen und Katholischen Kirche, die Berührungspunkte zwischen Judentum und Christentum betonen soll und Antisemitismusbeauftragte in beiden Kirchen: Im jüdisch-christlichen Dialog hat sich einiges getan. „Man musste wirklich von vorne anfangen, konnte nichts voraussetzen“, sagte der Begründer des jüdisch-christlichen Dialogs in Deutschland und Namenspatron von ELES, Ernst Ludwig Ehrlich, einst über die Anfänge der Dialogarbeit in den 1950er Jahren. Dieser Dialog war vielfach von antisemitischen und antijudaistischen Ressentiments und Abwehrreaktionen seitens der Kirchen geprägt. Judenfeindliche Topoi waren und sind integrale Bestandteile der christlichen Religions- und Geistesgeschichte, die bis heute in Kirchengebäuden anzutreffen sind, z. B. in Form der „Judensau“ und dem Figurenpaar Ecclesia und Synagoga.
Der christliche Antijudaismus, der die Grundlagen für den Antisemitismus der Nationalsozialist*innen mit bereitete, wirkt auch gegenwärtig. So ist die nationalkonservative Wochenzeitung Junge Freiheit mit den traditionalistischen Strömungen innerhalb beider Kirchen verbunden, und bemüht schon seit Jahrzehnten einen nationalistisch grundierten, christlichen Antisemitismus. Rechtsextremist*innen und Vertreter*innen von Verschwörungsmythen schöpfen moderne antisemitische Narrative aus dem Fundus christlicher Texte. Die Verbindungen zwischen christlichen Kirchen und der AfD sorgen weiter für Diskussionen. Bei antisemitischen Vorfällen und insbesondere, wenn es um israelbezogenen Antisemitismus geht, reagieren Kirchenvertreter*innen häufig zögerlich. Wie offen sind die traditionalistischen Strömungen innerhalb der Kirchen für nationalkonservative Allianzen? Wird die Wirkung, die die antijudaistischen Passagen innerhalb der christlichen Texte haben, unterschätzt? Welche Rolle können die Kirchen bei der Bekämpfung von Verschwörungsmythen leisten, die auf christliche Narrative zurückgehen?​
Unsere Gäste:
Dr. Claudia Lücking-Michel ist katholische Theologin. Von 2004 bis 2013 war sie die Generalsekretärin des Cusanuswerks. Sie ist Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Zudem ist Dr. Lücking-Michel als Geschäftsführerin von AGIAMONDO e. V. tätig. AGIAMONDO ist der staatlich anerkannte, katholische Personaldienst in Deutschland. Von 2013 bis 2017 war Dr. Lücking-Michel Mitglied des deutschen Bundestags, für den sie in diesem Jahr erneut kandidiert.
Friederike Faß studierte Diplom-Pädagogik mit Schwerpunkt Sondererziehung und Rehabilitation. Seit 1999 widmet sie sich der evangelischen Begabtenförderung im Evangelischen Studienwerk Villigst e.V., dem sie seit 2011 als Leiterin vorsteht. Frau Faß ist Mitglied in der Präsidialversammlung und im Landesausschuss von Westfalen für den Deutschen Evangelischen Kirchentag sowie im Gemeinsamen Präsidium für den Ökumenischen Kirchentag. Sie engagiert sich zudem seit vielen Jahren in der evangelischen Jugend- und Konfirmand*innenarbeit. Darüber hinaus ist sie als Prädikantin in der Evangelischen Kirche von Westfalen aktiv.
Ao. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Treitler war als Religionslehrer an einem Wiener Gymnasium tätig. Kurz darauf übernahm er eine Lehrtätigkeit an der Pädagogischen Akademie / Pädagogischen Hochschule in Krems/Donau. 1998 habilitierte er im Fach Fundamentaltheologie an der Universität Wien. Treitler studierte zudem Judaistische Studien. 2018 wurde er Vizestudienprogrammleiter, seit 2020 ist er Vizedekan und Studienprogrammleiter der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Seine Bibliographie umfasst über 300 Publikationen aus dem Bereich jüdischer Literatur des 20. Jhdts. sowie zu jüdisch-christlichen Themen und zum sexuellen Missbrauch.
Prof. Dr. Micha Brumlik ist Erziehungswissenschaftler, Publizist und Mitglied des ELES-Beirats. Nach einem Studium der Pädagogik und Philosophie in Jerusalem und Frankfurt am Main war er wissenschaftlicher Assistent der Pädagogik in Göttingen und Mainz, danach Assistenzprofessor in Hamburg. Von 2000 bis 2013 war Brumlik Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt „Theorie der Erziehung und Bildung”. Daneben leitete er von 2000 bis 2005 als Direktor das Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main.
Eine Veranstaltung im Rahmen des ELES-Programms „Nie wieder!? Gemeinsam gegen Antisemitismus & für eine plurale Gesellschaft“.
https://gemeinsam-gegen-antisemitismus.de/
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